Täglicher Archiv: Müritz

Sebastian Hänel über: Zanderangeln – Der Einfluss der Wassertemperatur

Bis Ende Februar hat sich das Eis auf den Seen gehalten. Nur langsam steigen die Wassertemperaturen an. Wie extrem sich das auf die Standplätze der Zander auswirkt, habe ich in dieser Zeit deutlich zu spüren bekommen und möchte darüber berichten.

Wenn ich neue Gewässer auf der Suche nach Zander erkunde, sehe ich mich immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert. Das geht euch bestimmt nicht anders.
Die Fragen, die einen beim Zanderangeln quälen werden wohl immer die gleichen sein.

  • „Angel ich am richtigen Platz?“
  • „Habe ich den richtigen Köder im passenden Dekor dran?“
  • „Wo finde ich die Fische?“

Da ich meinen Köder schon seit einer gefühlten Ewigkeit blind vertrauen kann und ich die Farbe immer nach Gefühl und Erfahrung auswähle, sind ein Großteil dieser Unsicherheiten für mich geklärt.
Doch die Frage nach den richtigen Plätzen bleibt jedes Mal aufs Neue die Entscheidende.

Spotsuche mit Umwegen

Viele begeisterte Zanderangler, die dem faszinierenden Raubfisch nachstellen, lösen diese Frage mit der Suche nach Strukturen im Gewässer.  Da wird dann das berühmte tiefe Loch oder die sagenumwobene Steilkante aufgesucht und unermüdlich befischt. Aber ist das immer richtig?

Als ich mich Ende Februar/Anfang März auf den Seen der Müritzfischer in Mecklenburg versuchte, wurde ich von der Realität auf dem Wasser wieder daran erinnert, wie wichtig der Faktor Wassertemperatur für das Finden eines Fangplatzes ist. Speziell Zander sind wärmeliebende Fische und sind daher in besonderem Maße von diesem Faktor bestimmt.

Ich tat mich zu Beginn meiner Tour recht schwer, die Fische an dem von mir relativ unbekannten Revier aufzuspüren. An tiefen Plätzen hatte ich keinen Biss, geworfen oder vertikal mit dem Köderfisch.

Thermometer im Blick

Das Thermometer meines sehr schlichten Echolotes, welches ich hier nur zum Anzeigen von Tiefe und Temperatur mitführte, zeigte mir 5,2°C. Bei 4°C hat das Wasser seine größte Dichte und sinkt zu Boden. Also war es im tiefen Wasser um mehr als 1 Kelvin kälter als im flachen.

Aus diesem Grund wechselte ich meine Strategie und befischte eine große Flachwasserbank, die mit kleinen Steinfeldern besetzt war. Zander stellen sich oft in flachen Bereichen ein, besonders wenn das Wasser trübe ist. Da der Wind an diesem Tag auf diesem Ufer stand, schob er das in den letzten Stunden leicht erwärmte Oberflächenwasser darauf zu und lies es aufstauen. Mein Lot zeigte mir dort 5,6°C. Das verschaffte mir die nötige Motivation ausdauernd auf einer Tiefe von rund 2m meinen Gummifisch zu präsentieren. Ich fischte mit 7gr sehr leicht, um diesen Platz langsam genug beangeln zu können.

Die Erlösung!

Mein Kollege Stefan, der an diesem Tag im Scandica Boot Platz nahm und die Zandersuche unterstützte, bekam einen Anfasser. Das machte mir Mut weiter diese ungewöhnlich flache Strategie zu verfolgen. Kurz darauf in der Richtung, aus der der zaghafte Biss die Fische endlich verriet, der ersehnte Einschlag in meinem schnellen Blank! Ein schwerer Gegner krümmte die Rute und kam aufgrund des flachen Platzes schon nach wenigen Metern an die Oberfläche, um diese wütend schaumig zu schütteln. Ein Moment der mich ultra nervös machte!

Dann ging alles sehr schnell und wir konnten den Traumfisch beim ersten Versuch sicher in den Kescher einlöffeln. Der 18 Pfünder füllte diesen gänzlich aus, wurde sicher über die Bordwand gehievt und auf dem Neoprenmaterial des Bootes abgelegt. Jubel!

Der Lohn unserer Mühen, 2 bissloser Angeltage zuvor, an denen ich mich abgemüht hatte. Aber umsonst ist beim Angeln nie etwas, da man immer eine Erkenntnis mitnimmt. Hier, dass 1,4 Kelvin wärmeres Wasser (also bei 4°C am Grund um die 35% wärmer) ausreicht, dass Kanten und tiefe Bereiche verlassen werden, um sich auf 2m ganz unspektakulär ins Flache zu stellen. Wir hatten den ganzen Tag an den Fischen vorbei geangelt!

Den Köder hatte der alte Drache ohne Argwohn komplett inhaliert. Der Greifer in der Größe 3/0 wurde somit souverän von meiner schnellen Rute unters Dach genagelt.

Glücksritter?

Da ich bei weiteren Anfahrten an ein Gewässer mit Boot gern eine Nacht vor Ort bleibe, steuerte ich am Folgemorgen den Platz erneut an und montierte einen 16cm Zanderkant Megakauli am leichten 10 gr Köpfchen, um damit am flachen Platz verführerische Absinkphasen hinzubekommen. Bereits nach dem ersten Wurf ruckte ein zackiger Absinkbiss meine Schnur stramm und kurz darauf umspannten die Gummimaschen meines Keschers erneut einen schönen Zander.

Beweis für mich, dass die wenigen Zander, des wirklich nicht einfachen Sees, flach standen. Fische sind wechselwarm und stellen sich immer dort ein, wo sie sich am wohlsten fühlen und ihr Stoffwechsel besser arbeiten kann. Daher stehen große Zander im Sommer gern im Mittelwasser auf einer bestimmten Wohlfühlschicht. Doch so schön und auch schlüssig die gewonnene Erkenntnis über die zähen März-Zander ist, nur in Gewässern, die trübe sind, kommen sie so flach, wenn sich die Temperaturen beginnen zu erwärmen. Wenn es allerdings sehr klar ist und man bei 2m noch auf den Grund schauen kann, wird dies bei den lichtscheuen Zandern nicht funktionieren. Dann muss in der Dunkelheit angegriffen werden. Jedoch nur wenn die Flachbereiche nach Sonnenuntergang nicht auskühlen und unter die 4°C Marke fallen.

Stabile, über die Nacht gehaltene 6°C Wassertemperatur, wären dafür ideal, um die Zander zugfreudig zu halten.

Mit Verstand fischen

Zanderangeln ist noch bis 1. April in großen Teilen des Landes (Brandenburg, Mecklenburg) erlaubt. Ich finde diese Regelung sehr praktikabel, da der Laichprozess erst ab einer Wassertemperatur von 12°C beginnt und bei 14 seinen Hochpunkt erreicht. So kann jeder für sein Hausgewässer oder ein Revier, welches er besucht, feststellen, wie der Stand der Dinge ist. Aktuell liegen wir Mitte März bei um die 6°C. Viele werden sich wundern, was das Thermometer am 1. Mai anzeigt, wo vielerorts der Startschuss in die Zandersaison fällt. Daher fischt das Team Zanderkant erst ab 1. Juni wieder gezielt auf Zander, wenn die sensible Zeit der brutpflegenden Milchner größtenteils zu Ende ist.

Für die letzten Tage im März wünsche ich allen, die raus gehen, ein dickes Petri Heil.

Es ist eine harte Angelei, aber die Belohnung ist der Traumfisch!

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