Kategorie Archiv: Zanderangeln

Herren des Freiwassers

Nicht nur am Grund geht’s rund! Besonders in Seen mit extremen Wassersäulen, wo 20 oder gar 30m Tiefe keine Seltenheit sind, neigen Großzander dazu vereinzelt im Freiwasser herum zu geistern. Wer frühes Aufstehen nicht scheut und sich gern dem Experiment stellt, seine Köder im oberen Drittel des Wasserkörpers monoton durchzukurbeln, der kann sein blaues Wunder erleben. Besonders morgens, wenn das orange Licht der steigenden Sonne die Landschaft flutet, stehen die Chancen auf einen Zanderbiss bei dieser ungewöhlichen Technik ganz gut.
Philipp Feist erlebte beim gezielten Hechtangeln mit einem Großgummi im Freiwasser einen seiner wohl spektakulärsten Fänge. Der Köder war schon zu sehen, da schob sich ein Schatten an den Köder, der diesen auf Sicht wegzog! Der 6/0 Greifer griff unter der harten Knochenplatte des Oberkiefers und brachte den 95cm Fabelfisch in den Kescher! Der Wahnsinn!

Angespornt von diesem Erlebnis versuchte ich es am nächsten Morgen allein und schmiss meinen 16cm Megakauli seelenlos aber motiviert über die Freiflächen des Sees. In der Nähe befand sich eine Landezunge, doch ich warf im tiefen “Niemandsland”, vor dieser Struktur umher. Bis knapp vor 09:30 tat sich nichts und ich tat Philipps Ausnahmefisch als glücklichen Zufallsfang ab. Aber Zander zeigen aus der Erfahrung heraus bestimmte Muster, aus der sie, einmal entdeckt, recht treffsicher zu berechnen sind.

Also blieb ich dran und fischte, je höher die Sonne kam, schwerer und damit tiefer. Mittlerweile lief mein Köder wohl auf 6m. Dann der Einschlag! Mit zittrigen Knien führte ich nach hartem Drill den Trümmerzander über den Kescher, der ihn gerade so fasste. Auch 95cm!
Nur einen Morgen später noch so einen Fisch dingfest gemacht zu haben ist einzigartig in der Geschichte des Team Zanderkant. Es gelang durch eine Verkennung, von frisch gewonnener Erkenntnis, unermüdlicher Ausdauer und Glück, welches beim Angeln immer zu einem gewissen Teil dazu gehört.

Steigt die Sonne weiter stellen sich die Zander wieder tief ein und verbringen den langen Tag recht passiv. Erst zum Abend, mit schwindendem Licht werden sie wieder aktiv und beginnen damit flach zu ziehen. Manchmal aber erst wenn es tatsächlich richtig dunkel ist!

Herren des Freiwassers: 95cm Zander beim gezielten Hechtangeln gelandet

 

Herren des Freiwassers: weitere 95cm Wahnsinn!

Zander angeln im Winter! Was uns der Lichteinfall verrät.

Zander stehen im Winter sehr tief!
Stimmt, aber eben nicht immer. Das Zanderangeln kann im Winter eine ziemlich knifflige Angelegenheit sein. Besonders, wenn die Temperaturen abrupt fallen. Denn dann reagieren die sonst so wärmeliebenden Zander sehr passiv und stellen ihre Bewegungsphasen ein. Haben sich unsere Zielfische allerdings an die kalten Temperaturen gewöhnt, werden sie wieder aktiver. Sie kehren zurück und sind auch wieder auf der Suche nach Beute. Jetzt gilt es, die Zander anzutreffen und sich auch von ein paar Stunden ohne Kontakt nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Faktor Lichteinfall

In Stillgewässern lassen sich selbst in der kalten Jahreszeit eindeutige, wenn auch sehr kurze, Beißfenster  feststellen. Generell gilt, dass unsere Zielfische zu den Mittagsstunden am aktivsten sind und die Chancen gut stehen, auch im Winter ein paar magische Stunden abzupassen und Bisse zu kassieren. Selbst an einem grauen und tristen Angeltag.
Hierbei sollte aber auch immer der Lichteinfall berücksichtigt werden. Licht hat einen großen Einfluss auf das Zanderverhalten im Winter. Von Bedeutung ist dabei allerdings nicht, ob die Sonne scheint oder es bedeckt ist, sondern vielmehr wie viel Licht zum Gewässergrund gelangt.
Wir wissen, im kalten Wasser sind Zander langsamer und fressen seltener. Kommt nun noch viel Licht am Boden an, hat man am Tage kaum eine Chance auf einen Fang. Die Wassertrübung und Wassertiefe hat hingegen einen großen Einfluss auf die Aktivität des Zanders. Denn: Je weniger Licht nach unten gelangt, desto aktiver sind unsere Zander zur Mittagszeit.

Aus diesem Grund liegt die Beißphase in Flüssen, die gerade kein trübes Hochwasser vor sich her schieben, im Winter auch erst nach Einbruch der Dunkelheit.  In tiefen, trüben Seen hingegen können selbst zum Mittag und bei strahlenden Sonnenschein schöne Fische gelandet werden.

Tiefenflexibel

Nicht nur die Aktivität der Zander werden durch den Lichteinfalls beeinträchtigt. Ebenso auch die Standtiefen unserer Kammschupper, was unser Ausflug an einem Stausee beweist.
Als das Wasser des Stausees noch recht klar war, fanden wir unsere Zander noch auf Tiefen von ca. 10 Meter. Diese ließen sich dort unten im Dunklen auch recht effektiv befischen.
Das sichtige Wasser ließ nämlich so viel Tageslicht durch, dass sich die Glasaugen oberhalb der 8 Meter-Marke einfach nicht wohl fühlten. Alle Kantenfüße und andere Unterwasserstrukturen, die unterhalb dieser Grenze lagen, waren dann aber je nach Tageszeit und damit Lichtstand, erfolgreich.

Unsere Spots waren zu jedem Ausflug verlässlich, bis viele Niederschläge fielen und durch die Einläufe trübes Wasser in den Stau geschoben wurde. Binnen weniger Tage trübte sich der See etwas ein. Das hatte zur Folge, dass sich unsere Stachelträger, plötzlich nicht mehr an den vorher so sicheren Spots haben überlisten lassen. Viele Petrijünger waren verwundert darüber und machten das sich veränderte Wasser für das ausbleiben der Bisse verantwortlich.

Aber damit weit gefehlt. Nicht der PH-Wert oder die plötzliche Trübung ließen die alten Plätze schwinden, die Zander waren einfach nicht mehr auf diesen Tiefenlinien zu finden!
Philipp fand, als er einige Ufer der Steilkanten von flach zu tief herunterfischte, heraus, dass die Zanderbisse nun viel flacher kamen. Nämlich nur noch 4 bis 6 Metern anstatt der 10 Meter.

Ein Tiefenbereich, der in diesem See sonst am Tage nur zwischen Juni-Juli, also zur warmen Jahreshälfte funktioniert. Durch das nun stark eingetrübte Wasser, kommt bedeutend weniger Licht am Gewässerboden an. Aus diesem Grund finden unsere Zander jetzt ihren Wohlfühlbereich einige Etagen höher.
Also änderten wir die Taktik und fuhren Strukturen an, die sonst im Sommer fischreich waren. Ein Volltreffer!

Selbst bei Sonnenschein bekamen wir zahlreiche und wirklich harte Bisse im kalten Wasser.
Denn durch die trüben Verhältnisse waren die Stachelritter alles andere als scheu und hauten anständig ins Gerät und unsere Kaulis auch meist vollkommen weg.
Dementsprechend gut auch die Bissausbeute, da unsere hoch abstehenden, scharfen Greifer selbst die zögerlichen Biss bestens fassten.

2 Wochen später war die trübe Fahne durch und das Wasser wieder klar. Prompt waren auch unsere beim letzten Mal so ergiebigen Plätze Zanderleer. Wieder mussten wir alles übern Haufen werfen und uns deutlich tiefer orientieren. Und das trotz eines trüben Tages.

Ein Tag ist nicht wie der anderer. Das Zanderangeln unterliegt stets einem Wandel. Äußeren Faktoren, insbesondere Licht, bestimmen darüber welcher Angelplatz und welche Angelzeit überhaupt geeignet sind, um  Fangerfolg zu haben. Selbst wenn man der Meinung ist, das Gewässer gut zu kennen und weiß wie es im Gewässer läuft. Ändern sich plötzlich die Bedingungen, kann schon alles wieder anders aussehen.
Die Natur macht eben ihre eigenen Gesetze. Sie gibt uns vor, wie und wo wir die Möglichkeit bekommen erfolgreich zu angeln.

Bleibe hartnäckig und flexibel. Widersprich auch mal der Lehrmeinung, dass Zander im Winter  tief stehen und du hast gute Karten erfolgreich zu sein.

Dann kann es auch geschehen, dass ganz unverhofft der Traumfisch deinen Köder zu Gesicht bekommt und zupackt! So wie Philipps 96cm Fabel-Zander, der Mittags im tiefen vor einem Plateau auf den 16er Megakauli biss!

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Herbsterwachen auf der Zanderkant

Wer das ganze Jahr und auch in verschiedenen Gewässern, regelmäßig und unabhängig von der Jahreszeit, seine Zander fangen will, der muss die Zusammenhänge zwischen Natur und dem Verhalten bzw. Gewohnheiten seines Zielfisches verstehen und seine Vorgehensweise anpassen. In den letzten Wochen erlebten wir einen Umschwung. Plätze, die kürzlich noch viele Fische brachten, scheinen jetzt zu versagen. Der Herbst zählt bei den meisten Raubfischanglern als die beste Zeit des Jahres, um den Räubern nachzustellen.
Für den Zander trifft diese Aussage aber nur bedingt zu, da dieser Fisch Wärme liebt und mit Rückgang der Wassertemperaturen seine Aktivtäten und daher auch seinen Bedarf an Futter reduziert. Das wird insbesondere in den Flüssen und Kanälen deutlich. Hier fallen die Beißphasen der Zander nun deutlich kürzer aus. Dort, wo das Wasser im Herbst durch den Rückgang von Plankton klarer wird, verlagert sich die Fressphase unserer lichtempfindlichen Räuber auf die Dämmerung bzw. Nachtstunden.

Eine deutliche Verbesserung der Zanderbeißlage am Tag erleben wir nun allerdings in weitläufigen Seen und tiefen Talsperren. Dort sammeln sich mit Abnahme der Temperaturen die Fische zu größeren Trupps zusammen und stellen sich an tieferen Plätzen am Grund ein. Dort lassen sie sich, mit etwas Gewässerkenntnis oder mit Suchen, gut am Tage stellen. Wichtig dabei ist das Finden der richtigen Tiefenlinie und wie man diese auch vom Ufer aus erreicht, wenn das bequeme Angeln vom Boot nicht möglich ist.

Lichtflucht

Das unsere Stachelträger dann auch auf die Köder reagieren, hängt mit dem geringen Lichteinfall in größeren Tiefen zusammen. Wo Fluss und Kanalzander aufgrund der begrenzten Wassertiefe nicht vorm Licht flüchten können, haben Seezander die Möglichkeit nun auf größere Tiefenbereiche auszuweichen. Je mehr Licht durchs Wasser dringen kann, desto weiter tauchen die Glasaugen ab. Dies bedeutet, umso mehr Sonne und je klarer das Wasser, desto weiter unten muss der Köder angeboten werden. Wer nun die zum jeweiligen Gewässer passende Tiefenlinie findet, auf der die Zander am Tage stehen, der kann mit etwas Ausdauer und Glück schöne Tiere, auch in schwierigen Revieren, fangen. Und das auch vom Ufer aus!

Sauerstoff kehrt zurück

Mit der Abkühlung vermischen sich die oberen Wasserschichten in Seen wieder mit den tieferen. Dadurch verteilt sich der Sauerstoff nun auch wieder gleichmäßiger und die sommerlichen Sprungschichten werden aufgelöst. Tiefen, die die Zander im Sommer wegen dieser Schichtungen nicht aufsuchen konnten, werden nun langsam wieder lebendig. Dies sollte man wissen, um seinen Hotspot im Herbst zu finden. Zander sind immer in Bewegung und wir Angler müssen es auch bleiben. Wir sollten uns NIE auf unsere bekannten Stellen, die aktuell Fische bringen, längere Zeit verlassen.
Wo man im Sommer noch Fische fing, sind jetzt keine mehr. Immer am Zander zu bleiben ist und bleibt eine große Kunst für alle Petrijünger, die kontinuierlich und zu jeder Jahreszeit Fische fangen möchten.

Ich hoffe, dass dieser Artikel Dir für deine zukünftige Entscheidungen am Wasser ein paar richtungsweisende Denkanstöße geben konnte.

Ein herzliches Petri Heil – Sebastian Hänel

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Zanderkant Festival 2017 am Kanal

vom 21. bis 23. Juli 2017 stieg das jährliche Zanderkant Festival. In diesem Jahr fand das Event am Nordostseekanal im hohen Norden des Landes statt. Die 16 zanderbegeisterten Angler, die sogar aus Bayern und den Raum Stuttgart anreisten, fanden sich alle am Freitag im Tagungshotel ein. Die drei Tage standen für alle voll und ganz im Zeichen des Zanders.

Unter Anleitung von Sebastian Hänel, der das Event mittlerweile zum 3. Mal ausrichtete, konnten bis zum Sonntagabend insgesamt 45 Zander, 5 Barsche bis 40cm und sogar ein für den NOK seltener aber strammer Hecht gelandet werden. Alle waren begeistert und viele konnten die ersten Zander in ihrem Anglerleben fangen. Die Fische spielten trotz wechselhaften Wetter gut mit und zeigten sich “tock”freudig. Das ist der große Vorteil an einem 3-Tages-Event. Man trifft über diesen Zeitraum mindestens eine gute Beißphase der Fische.

Das Hightlight ereignete sich gleich am ersten Abend. Als Sebastian zum Ausklang des Abends einen Wurf, parallel zur Steinschüttung, machte. Dazu montierte er den 12cm Zanderkantkauli, im für die Dämmerung sehr fängigen UV-starken Dekor namens “Reaktor”. Der starke Fisch nahm den Köder auf halber Strecke und drückte dann mit seinem Gewicht und einzelnen Schwanzhieben die Schüttungskante entlang. Er ließ sich nur schwer in den Griff und vor allem vom Grund hochbekommen. Nach ein paar Minuten bangem Drills, gab der Kanal-Gigant schließlich auf und zeigte weiß!
Mit exakt 96cm Länge ist dieser Fabelzander nicht nur ein Traumfang, sondern stellt für den Nordostseekanal einen absoluten Ausnahmefang dar.

Umso größer die Freude, dass dies während des Zanderkant Festival 2017 geschah.

Das nächste Zanderkant Festival findet im Juli 2018 und aufgrund der tollen Fänge wohl wieder am NOK statt.

Unter folgendem Link gibt es alle nötigen Infos:

https://www.zanderkant.de/festival/

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Sebastian Hänel über: Zanderangeln – Dem Sommer Zander auf der Spur

Für viele Petrijünger ist Zanderangeln zur warmen Jahreszeit, besonders im Sommer, ein stiefmütterliches Thema. Sie sind der Meinung, dass der Herbst die weitaus bessere Zeit ist, um den langsamen Jägern mit Erfolg nachzustellen.
Ich hingegen betrachte den Zander als totalen Sommerfisch. Die Stachelträger mögen warmes Wasser. Sie laufen erst bei Temperaturen ab 20 Grad zu ihrer höchsten Aktivität auf. Dadurch sind sie viel in Bewegung und fressen mehr als im kälteren Wasser.

Allerdings stellt uns Angler diese hohe Aktivität der Sommer-Zander vor eine Herausforderung. Die aktiven Fische müssen immer wieder neu gefunden werden.
Eine Generallösung hierfür gibt es nicht, da die Hotspots an jedem Gewässertyp völlig unterschiedlich sein können.
Ganz entscheidend ist das Licht! Kein anderer Faktor beeinflusst die Standplätze und Aktivitäten von Zandern so sehr wie der Lichteinfall ins Gewässer!

Flach im Fluss

An der Elbe, die zu Beginn des Sommers durch starke Planktonbildung sehr eingetrübt ist, standen die Kammschupper an extrem flachen Plätzen – bedingt durch Niedrigwasser zudem noch sehr dicht am Strom, bzw. im stark bewegten, sauerstoffreichen Wasser. So brachte das Befischen von flachen Buhnenköpfen am Tag mit grellen Dekoren, wie unseren „Reaktor“ oder „Törtelgrün“, tolle Fische ans Band, während tiefe Buhnen keinen Erfolg brachten.

Tief im See

In großen Stillgewässern hingegen sieht das ganz schon anders aus. Hier ist das Wasser meist deutlich klarer und mehr Licht dringt zum Boden. Am Tag wird man daher keinen Zander an flachen Plätzen stehen haben. Selbst in der Dämmerung sind die Seezander noch recht tief. Auf einer ca. 10m tiefen Kante vor einem Plateau konnten wir einen kapitalen, 86cm lange Stachelträger mit dem sehr gedecktes „Nachtschatten“ Dekor landen.

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Flach im Fluss: Mit grellem Dekor Törtelgrün und Reaktor

 

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Tief im See mit bedecktem Dekor Nachtschatten

Wobblerzeit

Zum Sonnenuntergang noch zwischen 8 bis 10m die Zander am Grund erwischt, geht mit fortschreitender Dunkelheit an diesen Plätzen nichts mehr. Ganz einfach weil man die Zander nun unterfischt. Auf die nun aktiven Räuber zündet jetzt nur noch eine aktive Angeltechnik. Ein Fall für flach laufende Wobbler.
Hier ist jetzt Gefühl für die richtigen Stellen gefragt. Flache Strände an denen am Tag noch reger Badebetrieb herrschte, können genauso effektiv sein, wie ein steil abfallender Felsen, an denen die Glasaugen nun extrem dicht entlang ziehen, um dort Kleinfische an die Sackgasse heran zu drängen. Je nach Gewässer muss der jeweilige Fressplatz der Zander erarbeitet werden. Oftmals beginnt das beißen auf die flotten hardbaits erst wenn es komplett Dunkel ist. Der Übergang von Sonnenuntergang bis zur Dunkelheit ist oft schwierig und muss ausgesessen werden. Aber dann kann es verblüffend gut laufen und die Bisse erfolgen kaum 30 bis 50cm unter der Oberfläche und nicht einmal 2m vom steinigen Ufer entfernt. Ruhig und sehr flach laufende Schwimmwobbler ohne Rasseln und wenig Druckwelle sind dann das beste Mittel. Man kann den Zandern im Tagesverlauf regelrecht hinterher angeln. Verknüpft man das Wissen über die Verhaltensweisen der Fische mit der dazu passenden Methode, ist der Fang des Sommer Zander auch kein großes Hindernis mehr.

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Nachtfang mit flach angebotenen Wobbler
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Nachtfang mit flach angebotenen Wobbler

Weitere fachliche Informationen und Hilfestellungen für verschiedene Angelsituationen auf Zander gebe ich im gratis Videokurs auf www.zanderkant.de preis.
Einmal eintragen und die kurzen lehrreichen Lektionen kommen einmal wöchentlich als E-Mail in dein Postfach.

Dickes Petri – Sebastian

Sebastian Hänel über: Zanderangeln – Der Einfluss der Wassertemperatur

Bis Ende Februar hat sich das Eis auf den Seen gehalten. Nur langsam steigen die Wassertemperaturen an. Wie extrem sich das auf die Standplätze der Zander auswirkt, habe ich in dieser Zeit deutlich zu spüren bekommen und möchte darüber berichten.

Wenn ich neue Gewässer auf der Suche nach Zander erkunde, sehe ich mich immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert. Das geht euch bestimmt nicht anders.
Die Fragen, die einen beim Zanderangeln quälen werden wohl immer die gleichen sein.

  • „Angel ich am richtigen Platz?“
  • „Habe ich den richtigen Köder im passenden Dekor dran?“
  • „Wo finde ich die Fische?“

Da ich meinen Köder schon seit einer gefühlten Ewigkeit blind vertrauen kann und ich die Farbe immer nach Gefühl und Erfahrung auswähle, sind ein Großteil dieser Unsicherheiten für mich geklärt.
Doch die Frage nach den richtigen Plätzen bleibt jedes Mal aufs Neue die Entscheidende.

Spotsuche mit Umwegen

Viele begeisterte Zanderangler, die dem faszinierenden Raubfisch nachstellen, lösen diese Frage mit der Suche nach Strukturen im Gewässer.  Da wird dann das berühmte tiefe Loch oder die sagenumwobene Steilkante aufgesucht und unermüdlich befischt. Aber ist das immer richtig?

Als ich mich Ende Februar/Anfang März auf den Seen der Müritzfischer in Mecklenburg versuchte, wurde ich von der Realität auf dem Wasser wieder daran erinnert, wie wichtig der Faktor Wassertemperatur für das Finden eines Fangplatzes ist. Speziell Zander sind wärmeliebende Fische und sind daher in besonderem Maße von diesem Faktor bestimmt.

Ich tat mich zu Beginn meiner Tour recht schwer, die Fische an dem von mir relativ unbekannten Revier aufzuspüren. An tiefen Plätzen hatte ich keinen Biss, geworfen oder vertikal mit dem Köderfisch.

Thermometer im Blick

Das Thermometer meines sehr schlichten Echolotes, welches ich hier nur zum Anzeigen von Tiefe und Temperatur mitführte, zeigte mir 5,2°C. Bei 4°C hat das Wasser seine größte Dichte und sinkt zu Boden. Also war es im tiefen Wasser um mehr als 1 Kelvin kälter als im flachen.

Aus diesem Grund wechselte ich meine Strategie und befischte eine große Flachwasserbank, die mit kleinen Steinfeldern besetzt war. Zander stellen sich oft in flachen Bereichen ein, besonders wenn das Wasser trübe ist. Da der Wind an diesem Tag auf diesem Ufer stand, schob er das in den letzten Stunden leicht erwärmte Oberflächenwasser darauf zu und lies es aufstauen. Mein Lot zeigte mir dort 5,6°C. Das verschaffte mir die nötige Motivation ausdauernd auf einer Tiefe von rund 2m meinen Gummifisch zu präsentieren. Ich fischte mit 7gr sehr leicht, um diesen Platz langsam genug beangeln zu können.

Die Erlösung!

Mein Kollege Stefan, der an diesem Tag im Scandica Boot Platz nahm und die Zandersuche unterstützte, bekam einen Anfasser. Das machte mir Mut weiter diese ungewöhnlich flache Strategie zu verfolgen. Kurz darauf in der Richtung, aus der der zaghafte Biss die Fische endlich verriet, der ersehnte Einschlag in meinem schnellen Blank! Ein schwerer Gegner krümmte die Rute und kam aufgrund des flachen Platzes schon nach wenigen Metern an die Oberfläche, um diese wütend schaumig zu schütteln. Ein Moment der mich ultra nervös machte!

Dann ging alles sehr schnell und wir konnten den Traumfisch beim ersten Versuch sicher in den Kescher einlöffeln. Der 18 Pfünder füllte diesen gänzlich aus, wurde sicher über die Bordwand gehievt und auf dem Neoprenmaterial des Bootes abgelegt. Jubel!

Der Lohn unserer Mühen, 2 bissloser Angeltage zuvor, an denen ich mich abgemüht hatte. Aber umsonst ist beim Angeln nie etwas, da man immer eine Erkenntnis mitnimmt. Hier, dass 1,4 Kelvin wärmeres Wasser (also bei 4°C am Grund um die 35% wärmer) ausreicht, dass Kanten und tiefe Bereiche verlassen werden, um sich auf 2m ganz unspektakulär ins Flache zu stellen. Wir hatten den ganzen Tag an den Fischen vorbei geangelt!

Den Köder hatte der alte Drache ohne Argwohn komplett inhaliert. Der Greifer in der Größe 3/0 wurde somit souverän von meiner schnellen Rute unters Dach genagelt.

Glücksritter?

Da ich bei weiteren Anfahrten an ein Gewässer mit Boot gern eine Nacht vor Ort bleibe, steuerte ich am Folgemorgen den Platz erneut an und montierte einen 16cm Zanderkant Megakauli am leichten 10 gr Köpfchen, um damit am flachen Platz verführerische Absinkphasen hinzubekommen. Bereits nach dem ersten Wurf ruckte ein zackiger Absinkbiss meine Schnur stramm und kurz darauf umspannten die Gummimaschen meines Keschers erneut einen schönen Zander.

Beweis für mich, dass die wenigen Zander, des wirklich nicht einfachen Sees, flach standen. Fische sind wechselwarm und stellen sich immer dort ein, wo sie sich am wohlsten fühlen und ihr Stoffwechsel besser arbeiten kann. Daher stehen große Zander im Sommer gern im Mittelwasser auf einer bestimmten Wohlfühlschicht. Doch so schön und auch schlüssig die gewonnene Erkenntnis über die zähen März-Zander ist, nur in Gewässern, die trübe sind, kommen sie so flach, wenn sich die Temperaturen beginnen zu erwärmen. Wenn es allerdings sehr klar ist und man bei 2m noch auf den Grund schauen kann, wird dies bei den lichtscheuen Zandern nicht funktionieren. Dann muss in der Dunkelheit angegriffen werden. Jedoch nur wenn die Flachbereiche nach Sonnenuntergang nicht auskühlen und unter die 4°C Marke fallen.

Stabile, über die Nacht gehaltene 6°C Wassertemperatur, wären dafür ideal, um die Zander zugfreudig zu halten.

Mit Verstand fischen

Zanderangeln ist noch bis 1. April in großen Teilen des Landes (Brandenburg, Mecklenburg) erlaubt. Ich finde diese Regelung sehr praktikabel, da der Laichprozess erst ab einer Wassertemperatur von 12°C beginnt und bei 14 seinen Hochpunkt erreicht. So kann jeder für sein Hausgewässer oder ein Revier, welches er besucht, feststellen, wie der Stand der Dinge ist. Aktuell liegen wir Mitte März bei um die 6°C. Viele werden sich wundern, was das Thermometer am 1. Mai anzeigt, wo vielerorts der Startschuss in die Zandersaison fällt. Daher fischt das Team Zanderkant erst ab 1. Juni wieder gezielt auf Zander, wenn die sensible Zeit der brutpflegenden Milchner größtenteils zu Ende ist.

Für die letzten Tage im März wünsche ich allen, die raus gehen, ein dickes Petri Heil.

Es ist eine harte Angelei, aber die Belohnung ist der Traumfisch!

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Die richtige Gewässerwahl beim Zanderangeln

Viele Angler berichten mir per Mail von Schwierigkeiten, welche sie mit ihren Hausgewässern haben. Sie probieren, grübeln, probieren wieder. Fragen sich, ob ihre Ausrüstung auch gut genug aufeinander abgestimmt ist. Ob ihre Köderfarbe richtig gewählt oder der Schnureinzug der Rolle passend ist.
Das Problem, warum sie nur sehr schlecht an ihren Zielfisch, den Zander, herankommen, liegt allerdings meistens nicht an der Ausrüstung. Bei manchen liegt es eher an der gewählten Angeltechnik. Oftmals liegt es aber auch einfach daran, dass sie schlichtweg die falschen Gewässer befischen.
Die richtige Gewässerwahl beim Zanderangeln ist eines der elementarsten Grundlagen.
Gute Zanderbestände kommen immer bei ganz bestimmten Bedingungen zu Stande. Wenn das Hausgewässer diese nicht hergibt, da es z.B. zu nährstoffarm und klar ist, dann sollte man andere Reviere zu erschließen.

Das macht natürlich bereits im Vorfeld etwas Arbeit und setzt somit ein gewisses Maß an Fleiß voraus. Hinter jedem guten Zanderangler steht ein gutes Zandergewässer! Oder anders formuliert. Ein Angler ist nur so gut, wie seine Gewässer es zulassen.

Besonders was den Fang von Kapitalen Zander betrifft.
Ein großer Einzelfisch ist überall möglich, doch die Angler, die kontinuierlich die Großzander ans Band bekommen, haben dies zu einem sehr großen Teil ihren Revieren zu verdanken an denen sie fischen. (Ahnung von Angelmethoden und Material und Gefühl für die Köderführung vorausgesetzt)
Was dies bedeutet und wie schwerwiegend der Faktor Gewässer für den Fangerfolg bei Großzandern ist, haben mein Kollege Philipp Feist und ich Ende August in Schweden wieder eindrucksvoll in der Praxis realisiert, als wir unser Boot beim Hersteller www.scandica.se in Ullared abholten und dies gleich geschickt mit einem Angelurlaub verbinden konnten.

Die Nadel im Heuhaufen

Um diesen Ort herum existieren hunderte Seen, einer schöner als der andere.
Doch die meisten geben kaum nennenswerte Zanderbestände her, da das Wasser zu klar sind. Dort kann man sich mit Hechten und Barschen austoben. Zanderseen sind auch im Land der tausend Seen rar gesät.
Da wir es aber auf Zander abgesehen hatten, mussten wir selbst aktiv werden und die Nadel im Heuhaufen finden. Dazu half uns unsere jahrelange Erfahrung mit dem Wissen, dass Zander am besten in trüben und nährstoffreichen Seen gedeihen und Google-Maps. Die Meisten Seen waren von Wald umrandet. Logisch, dass hier eher weniger mit unserem Zielfisch zu rechnen war, da Wälder wie ein Filter wirken und nur klares Wasser durch die Einläufe zuströmt.
Also suchten wir nach Einläufen von größeren Flüssen oder Gewässern, die von Feldern der Landwirtschaft umgeben waren. Denn durch die Düngung werden Phosphate freigesetzt, die bei Niederschlägen durch Auswaschung des Bodens eingetragen werden. Die Folge sind Algenblüte und das daraus entstehende Zooplankton. Dieses benötigt die empfindliche Zanderbrut nach dem Schlüpfen als Nahrungsquelle. Außerdem bietet das dadurch ungetrübte Wasser einen Lichtschutz für die sehr lichtempfindliche Brut. Wir fanden auf der Karte einen See, der ca. 40km weit weg war und von Feldern umgeben in einem Tal lag. Dieser sollte es werden! Unsere Expedition begann.

In Schweden ist im Gegensatz zu Deutschland alles sehr liberal und entspannt. So gibt es beispielsweise gebührenfeie öffentliche Trailerstellen mit Parkplatz und ohne sinnlose Schranken. Auch Angelkarten sind dort entweder bei den umliegenden Häusern zu bekommen oder in einem Kasten am Parkplatz selbst zu lösen. Auch hier: Alles auf Vertrauensbasis.

In Deutschland, dem Land der Überreglementierung und des Bestimmungsirrsinns undenkbar. Denn da wäre sicherlich auf fast jedem See die Nutzung eines Verbrennungsmotors verboten oder gesondert anmeldepflichtig.

Gute Aussichten

Beim ersten Blick ins Wasser des fremden Sees waren schwebende Grünalgenpartikel sichtbar und es roch recht „fischig“. Schon schlugen unsere Zanderherzen höher.
Beim langsamen Überqueren des unbekannten Sees mit dem Echolot zeigte der Bildschirm Unmengen an Futterfisch ab 9m Tiefe an. Das spricht für eine hohe Biomasse, wie sie in allen mir bekannten, guten Zandergewässern zu finden ist. Jetzt war Suchen von spannenden Strukturen angesagt, um diese stichprobenartig mit unseren Zanderkant-Kaulis, mit denen wir schon an unzähligen Revieren erfolgreich waren, anzutesten.
Wenn man neue Gewässer erkundet, ist es wichtig Köder zu verwenden, denen man absolut ob ihrer Fängigkeit vertraut. Nur so bleibt man konzentriert. Die ersten Plätze brachten keinen Erfolg. Ein Plateau von 5m und dessen Ränder. Ein sanfter Abbruch vor einer Halbinsel und eine Uferkante vor einem flachen Strand. Alles ohne Biss.

Geduld und Vertrauen zahlen sich aus

Nach gut 3 Stunden angeln schauten wir uns das gegenüberliegende Ufer an. Dazu passierten wir zwei Inseln, die mit einem 6m Plateau miteinander verbunden waren. Auf diesem flacheren Bereich lagen viele große Steine. Doch Zander waren keine da. Der Abbruch dieses Plateaus zum freien Wasser, auf der dem Wind zugewandten Seite, brachte dann bei rund 9m Tiefe den Erfolg! Der Beweis, dass wir mit dem neuen See, dem wir aufgrund seiner Lage eine Chance gaben, goldrichtig lagen. Denn auch ich konnte mich kurz nach dem ersten Fisch über einen kapitalen Zander freuen. Die Räuber standen in ihrer passiven Phase am Abfall dieser spannenden Struktur im tieferen Wasser. Vertikalangeln mit unserer 2m Rute und langsamer Präsentation des Köders war hier das beste Mittel zum Zweck und sprach die am Tage noch inaktiven Zander perfekt an.
Philipp erwischte kurz vor der Dämmerung einen weiteren Großzander, der sich mächtig in unsere 2m Zanderkant-Vertikalrute hineinstemmte. Doch die Dämmerung war nahe und die am Tag auf der 9m Kante ruhenden Zander starteten langsam zum Jagen ins Flache. Dazu zogen sie auf das 6m Plateau zwischen den Inseln. Zum Abschluss konnte ich dort noch einen der Kapitalen stellen. Dieser mächtige und dunkel gefärbte Fisch muss schon einige Jahre in diesem rauen Schwedischen See auf dem Buckel gehabt haben. Er hatte kaum noch Zähne und sein Maul sah ziemlich zerzaust aus.

Aber kein Platz ist dauerhaft erfolgreich, denn Zander ziehen mit dem Einbruch der Dunkelheit sehr stark umher und man muss ihnen folgen und die Fressplätze wieder mit aktiven Methoden befischen, um weiterhin am Fisch zu bleiben. Philipp wechselte vom passiven Vertikalangeln aufs aktivere Wurfangeln und montierte unseren sehr UV-Aktiven 16cm Megakauli im Dekor Reaktor. Sein übertrieben stark fluoreszierende Dekor ist besonders bei sehr schwachen Lichtverhältnissen sehr fängig. Bevor wir den Heimweg antraten, erwische er damit im letzten Büchsenlicht den letzten Zander des Abends.

Petri von der Zanderkant

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öffentliche Trailerstellen mit Parkplatz und ohne Schranken
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Angelkarten-Kasten
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raus aufs unbekannte Gewässer
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Der Erfolg unserer Mühen
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Wenn es einmal läuft…
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…dann läufts!

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Zanderangeln im Sommer – See, Fluss, Kanal

Zanderangeln im Sommer: Die richtige Taktik ist entscheidend!

Zanderangeln im Sommer mit der Spinnrute ist für viele noch immer eine knifflige Angelegenheit. Für die meisten ist der Herbst die hierfür beste Zeit um den Raubfischen nachzustellen. Dabei ist besonders der Sommer für uns eine sehr effektive Jahreszeit um unseren Lieblingen, den Zandern, auf die Kammschuppen zu rücken. Im warmen Wasser sind unsere Glasaugen recht aktiv und fressen viel, da ihr hoher Stoffwechsel nach viel Energie verlangt. Zander sind im Gegensatz zu Hechten generell sehr wärmeliebende Fische und laut Fachliteratur laufen sie bei einer Wassertemperatur von über 20°C erst zur Hochform auf. Das heißt aber nicht, dass sie sich besinnungslos auf jeden oder falsch geführten Köder stürzen, nur weil sie gerade sehr aktiv sind.
Je nach Sichtigkeit des Wassers sind sie dennoch ausgesprochen nachtaktiv und am Tage eher träge und passiv. Mit entsprechender defensiver Köderführung lassen sie sich dennoch zu einem Biss verleiten. Auf großen Seen waren Philipp Feist von und ich kürzlich sehr erfolgreich unterwegs und konnten einige Großzander zwischen 80 und 90 cm landen.

 

Zugpfade der Zander knacken

Das Finden der Zander an Unterwasserstrukturen, die sie aktuell für den Tagstandplatz suchen, ist dafür sehr entscheidend. Je nach Schichtung des Sauerstoffgehaltes stehen Zander aber auch im Freiwasser. Das erschwert das Aufspüren ungemein.
Zander in Seen stehen allerdings zur gleichen Jahreszeit auf den gleichen Tiefen wie im Vorjahr und ziehen zur aktiven Phase, die ab der Dämmerung beginnt, auf die gleichen Fressplätze. Als wir zu Besuch an einer großen Talsperre waren, befischte ich aus dieser Erfahrung heraus den gleichen Platz zur gleichen Tageszeit wie bei meinem Besuch an diesem schweren Gewässer ca. 1 Jahr zuvor. Dort konnte ich Anfang Juli 2015 einen tollen 80er Fisch auf ca. 10m Tiefe dingfest machen.

Wir hatten noch gute 2 Stunden bis zum Dunkelwerden. Also beschlossen wir alles auf eine Karte zu setzen und ankerten den gleichen Platz auf derselben Tiefen ab, wie im Juli ein Jahr zuvor. Diesmal fischte ich nicht mit dem 16cm Megakauli, sondern warf unseren 12cm Zanderkant-Kauli im Dekor Gürkchen immer wieder parallel die Kante vor einem Landzungenplateau entlang. Fortwährend über die gleiche Tiefenlinie, wo auch der 80er Fisch vom Vorjahr meinen „Kauli“ aufs Korn nahm.
Verrückt, aber wahr. An der gleichen Kante, nur um ca 25m versetzt, bekam ich wieder einen starken Zander in der Abenddämmerung ans Band! Diesmal stolze 84cm groß! Zander aus tiefen, dunklen Talsperren sind meist richtig kompakte Fische mit imposanter, dunkler Färbung, die sich an ihre Lebensumgebung anpasst.

Dieses Erlebnis bestärkte uns wieder in der Erfahrung, dass große Zander feste Fressrouten haben, wenn sie am Abend bei schwachem Licht mit dem Ziehen beginnen. Sie lassen sich daher perfekt abpassen und sogar grob voraussagen! Die Schwierigkeit besteht aber darin zu wissen, welcher Platz zu welcher Jahreszeit funktioniert. Für den Juli habe ich an diesem See einen gefunden. Im Juni funktionieren sicherlich andere Stellen mit flacherem Wasser und ab September eher tiefere. Da ist wieder ein gewisses Maß an Fleiß und Ausdauer gefragt, um diesen Code für sein jeweiliges Hausgewässer zu knacken und den Zandern hinterher zu angeln – doch das lohnt sich.

Ruheplätze ausfindig machen

Am Tag nach dem Fang fischten wir weiter auf dem Gewässer. Nun waren nicht die Fressplätze gefragt, sondern die Ruheplätze, zu denen sich Zander beim steigenden Licht der Morgensonne wieder zurückziehen. Wir mussten echt einige Stellen anfischen, die ohne Biss verliefen. Aus Erfahrung über das Verhalten von Zandern wissen wir, dass sie in Seen am Tag in der Nähe ihrer bevorzugten Fressgebiete einstellen. Je mehr Licht zu Boden fällt, desto tiefer.
Demzufolge befischten wir den Fuß eines mächtigen Steilufers, welches gegenüber einer flach auslaufenden Uferseite lag. Die Sonne stand hoch und es war keine Welle auf dem Wasser. So fischten wir unterhalb von 10 Metern, was für die Fische, bei hohem Stoffwechsel im Sommer, kein Problem mit dem Druckausgleich darstellt, wenn sie abends wieder flacher ziehen.
Dort setzen wir auf den größten Köder der Zanderkant-Familie: den 16cm Megakauli im Dekor „Nachschatten“, welcher sich bei sichtigen Verhältnissen als fängig bewährt hatte.
Dank Bugmotor mit Ankerfunktion konnten wir viele spannende Stellen mit der langsamen Vertikaltechnik anfischen. Der einzige Biss dieses Tages machte die ganzen Mühen wieder wett und wir konnten freudig einen weiteren Großzander, diesmal von 86cm, im Boot begrüßen.
Fleiß, Ausdauer und Glück gehören da immer mit dazu. Ohne Vertrauen in die Strategie und Köder kann das aber sehr zermürbend sein, auch mal 4 Stunden ohne Kontakt am Ball zu bleiben.
Immer wenn es darauf ankommt und ein unter großer Ausdauer erarbeiteter Biss durch die Rute fährt, muss man sich auf das System aus Haken und Köder verlassen können, um den hart erkämpften Fisch nicht im allen entscheidenden Moment zu verlieren. Unser sehr weitbogiger Zanderkant-Greifer in 6/0 leistet uns genau für diese brenzlichen Situationen einen großen Dienst und auch hier hat er den stolzen Kapitalen sicher gegriffen und auch festgehalten.

Sommerstrategie für den Fluss

Wir halten uns mit der Wahl unserer Gewässer aber trotz all der tollen Fänge immer flexibel, damit wir nicht „betriebsblind“ werden. So fischte ich im Juli 2 Abende an der Oder. Einem Fluss, der für viele als schwierig gilt, wenn ich von den vielen E-Mails, die mich vom Grenzfluss erreichen, ausgehe.
Hier wandte ich einfach das Wissen über meine Erfahrungen mit Flusszandern aus der recht einfachen Elbe und dem Rhein an. Befischte am Tage erst die tieferen, stark von der Strömung beeinflussten Buhnen der Außenkurve, um auf den Abend dann an flache, eher unscheinbare Plätze zu wechseln, die ziehende Zander gern zum Vollstopfen ihrer Futtersäcke aufmischen.

Im Hellen erwischte ich dann zur großen Freude meinen ersten Oderzander. Klein, aber für mich immer ein Grund zur Freude an einem fremden Revier die spannende Fischart gefangen zu haben. Leider musste ich wegen eines herannahenden Gewitters das Feld räumen und konnte nicht in den Abend hineinangeln.

 

Philipp Feist von Zanderkant fängt kapitalen Zander

Sebastian Hänel mit kapitalen Zander - erfolgreiches Zanderangeln im SommerZander in Talsperre mit Sebastian Hänel

Großzander am Abend gefangen von Sebastian Hänel

 

Kapitaler Zander von Sebastian Hänel
Zanderkant Kauli Nachtschatten fängt erfolgreich

Buhnen an der Oder zum Zandernageln im Sommer

Zanderkant Kauli Pinki fängt Zander

Beim zweiten Besuch gelang es mir dann. Nach einem kleinen Oderzander auf den Abend der ersehnte Treffer mit einem 65er Fisch, der auf voller Distanz auf den flachen Prallhang einer großen, flachen Buhne biss. Als Köder diente der 12cm Zanderkant-Kauli im Dekor „Törtelgrün“ mit UV-aktiven Rücken und dunklem Kontrast zum orangen, nicht fluoreszierenden Bauch.Zanderangeln an der Oder mit Sebastian Hänel

Ich plaudere jetzt mal aus dem Nähkästchen: Der seltsame Name „Törtelgrün“ hat nichts mit Schildkröten zu tun und stammt von einem Kameramann, der im Jahr 2005 zusammen mit Jörg Strehlow in den Elbetalauen drehte. Dieser war auch begeisterter Angler und fische in den Drehpausen immer nur mit diesem Dekor. Sein Spitzname war „Törtel“. So entstand der Name des Dekors. Damals wie heute hat diese Farbe im trüben Flusswasser und zur Dämmerung nichts an ihrer Fängigkeit verloren.

Tideelbe – Im Sog von Ebbe und Flut

 

Wo wir gleich beim Zanderangeln in Flüssen sind: Ende Juli verschlug es mich auch endlich wieder mal an die Tideelbe. Der durch Ebbe und Flut der Nordsee stark beeinflusste Bereich ist das Zanderparadies schlechthin. Auch wenn ich lang nicht dort fischte, hat dieses beeindruckende Revier nichts an seiner guten Zanderproduktivität verloren. Dies bekam ich auf den ersten Nachmittag nach der Ankunft gleich mit zwei schönen Fischen zu spüren, die auf Distanz im wirbelnden Wasser einer Prallseite beim ablaufenden Wasser bissen. Die 2 Stunden vor Ebbe sind für mich auf den Buhnen immer die Produktivsten.Flusszander mit Zanderkant Kauli Pinki gefangen von Sebastian Hänel

Hier war es wieder unser Dekor Pinki, welches die aktiven Tidezander im sehr trüben Wasser gut angesprochen hatte. 10 g Kopf hatte hier genügt, um den stromschnittigen, 12cm langen Verführer langsam und attraktiv zu präsentieren.

Zander gefangen von Sebastian Hänel in der Tideelbe
Vom Ufer ist an der Tideelbe oft eher Masse anstatt Klasse angesagt. Das finde ich allerdings nicht schlimm, da ich einen Angeltag mit anständiger Bissfrequenz und vielen kleinen und mittleren Fischen einem zähen Tag mit nur einem Biss und einem großen Fisch vorziehe. Aber da hat jeder Angler seine eigenen Ansichten und Vorlieben.
Ein Stopp an einem Platz nach dem Hamburger Hafen brachte mir allerdings einen starken Fisch ans Band, über den ich mich sehr freute. Dieser geniale Zander war allerdings der einzige Biss in der Mittagshitze dort.

Tideelbe bei Hamburg ist Zandergewässer

Diesen haben wir sogar als Livebiss mit Wurf auf Video bannen können, da ich gerade ein Fluss-Spezial für alle flussbegeisterten Teilnehmer meines gratis Onlinekurses produziere. Ihr dürft also gespannt sein.

Kanalzander im Fokus

 

Selbiges habe ich auch über das für viele sehr heikle Thema Kanalzander vor. Dazu filmten wir ein von mir zu diesem Zwecke abgehaltenes Seminar zum Thema Zanderangeln am Kanal. Der Nordostseekanal ist hierfür geradezu prädestiniert. Aufgrund von trübem, nährstoffreichem Wasser ist die Population stark und die Zanderbrut kommt in hohen Stückzahlen auf. Das bedeutet bei der richtigen Handhabe und Anwendung von der passenden Platzwahl und Technik eine hohe Bissfrequenz. Was für einen „Tocksüchtigen“ wie mich jede Menge Spaß und vor allem kurzweiliges Zanderangeln besonders im Sommer bedeutet.

Die Größe der Zander liegt im überschaubaren Küchenmaß von rund 50 bis 55cm. Das ist übrigens in allen Revieren, wo Zander durch günstige Bedingungen dazu in den Lage sind Überbestände zu bilden, der Fall. Die Population verjüngt sich aufgrund von hohem Fraßdruck auf das Futteraufkommen im Mittelbau sehr stark und schwankt in Zyklen von bis zu 6 Jahren. Aber das führt hier zu weit.
Zusammen mit dem Vereinsmitgliedern des ASV Breiholz-Haale konnten wir von 14 bis 18 Uhr immerhin 10 Zander und zwei Barsche fangen. Unser freche 9cm Juniorkauli im Dekor „Pinki“ war hier im mitteltrüben Kanalwasser, welches alle 20 min von großen Ozeanrießen durchquert wird, der absolute Abräumer und brachte mir sogar einen für den Kanal besseren Zander ans Band.Zander im Kanal gefangen von Sebastian Hänel im Nord-Ostsee-Kanal

Nord-Ostsee-Kanal Zander gefangen von Sebastian Hänel mit Zanderkant Kauli Tock am NOK, mehr kann man du diesem genialen Revier nicht sagen. Wer das harte Angeln an der zum Teil fiesen Steinschüttung einmal raus hat und weiß, wie er den Köder am 10g Köpfchen heranführen muss, der kann sich wirklich auf schöne Stunden auf dem Packlager freuen. Ich bin jedenfalls sehr gern in diesem Gebiet zugegen, komme aber auch an unseren schwierigeren Kanälen wie dem Mittalandkanal zurecht, wo ich kürzlich auch für Aufnahmen zu einem Kanal-Spezial meinen „Junior“ erfolgreich vors Packlager schwang. Dazu später mehr an anderer Stelle.Sebastian Hänel fängt an Mittellandkanal Zander

Wenn ich die Herausforderung an verschiedenen Revieren suche, dann geht es mir dabei nicht um den Fang eines möglichst großen Fisches. Die hatte ich in meinem Leben schon bis zur magischen Marke von 1,02m ausgeweitet. Mehr besteht meine Philosophie des Zanderangelns mit der Spinnrute darin, diese spannende Fischart auch in neuen, oft schwierigen Gewässern zu erwischen. Jeder Zander muss gekonnt überlistet werden. Der Kapitale ist ein Bonus. Darin besteht der Reiz für mich. Das Fachwissen, welches ich in all meinen Veröffentlichungen versuche zu vermitteln zielt auch darauf ab – Zielfisch verstehen und gezielt überlisten. Wie du siehst der Sommer ist heiß! Egal ob See, Fluss oder Kanal. Rausgehen und sich an den Zander anpassen ist das Geheimnis. Dann klappt´s auch mit dem „Tock“. Viel Erfolg beim Zanderangeln im Sommer.

Herzlichst – Ihr Sebastian Hänel-

P.S.: Solltest du noch nicht Teilnehmer meines kostenlosen Videocoachings sein, dann trag dich hier ein.

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